Landwirte der Vereinigung „LandSchafftVerbindung“ (LSV) aus dem Kreis Esslingen haben mit den örtlichen CDU-Abgeordneten Markus Grübel (Bundestag) und Andreas Deuschle (Landtag) sowie dem CDU-Kreisvorsitzenden Thaddäus Kunzmann über die größer werdenden Herausforderungen für Bauern gesprochen. Dabei ging es vor allem um die im Zuge von stärkerem Tier- und Pflanzenschutz zunehmende Bürokratie für bäuerliche Betriebe.

„Wir Landwirte sind die Letzten, die dagegen sind, wenn etwas für die Natur gemacht wird“, so Markus Bauer (Filderstadt) vom LSV. „Aber vieles an Vorgaben ist einfach nicht zu schaffen. So wird jetzt beispielsweise bei der Düngeverordnung innerhalb von nur drei Jahren nochmals nachgelegt.“ Und das – so Felix Kemmner aus Unterensingen – obwohl ein Bauer im Zeitraum von fünf bis zwanzig Jahren plane, gerade bei Investitionen. Das geforderte bodennahe Ausbringen von Gülle erfordere etwa ein neues, 100.000 Euro teures Fass. Michael Kuch (Lenningen-Sulzburghof): „Großbetriebe können sich so etwas leisten, die bäuerliche Landwirtschaft macht das kaputt! ​Außerdem sind diese breiten Gülleverteiler auf den Streuobstwiesen gar nicht einsetzbar, hier müssen Alternativen her.“​

​Die LSV-Vertreter sehen schärfere Regelungen vor allem als Folge einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der das Verständnis für Landwirte zurückgehe. „Der Druck ist groß“, so Marius Fischer aus Aichwald. „Und in den Diskussionen werden alle Landwirte über einen Kamm geschert. Dabei trifft uns Landwirte hier die Kritik oft zu unrecht.“ Markus Bauer aus Filderstadt verweist darauf, dass es im Landkreis – anders als etwa in Niedersachsen – pro Hektar drei bis viermal weniger Vieh gebe und auch die Nitratbelastung in baden-württembergischem Grundwasser weit niedriger sei. „Obwohl Gülle in gewissem Maß für das Bodenleben sehr gut sein kann, dafür aber wiederum kommunale Abwässer stark dazu beitragen, das Grundwasser zu verunreinigen, sehen viele immer nur das Güllefass als Problem.“​

​Dass die Landwirte nicht nur zum Insektenschutz, sondern auch zum Klimaschutz beitrügen, würde dabei übersehen. Max Jenz, Landwirt aus Wendlingen: „Wir können durch unsere Felder zum Teil mehr CO2 im Boden speichern als der Wald.“ Deshalb sei eine Forderung der LSV-Bauern, dass auch die Landwirtschaft am Zertifikatehandel teilnehmen darf. Außerdem fordern die Landwirte einen gerechteren Wettbewerb mit dem Ausland: „Es kann ja nicht sein, dass wir in Deutschland zu höchsten Standards produzieren und wir diese Standards beim Import über Bord werfen.​ Das hat für uns auch etwas mit Verbraucherschutz zu tun", so der Köngener Landwirt Daniel Schumacher.

​Markus Grübel und Andreas Deuschle wollen die von den Bauern angebrachten Punkte mit nach Berlin und Stuttgart nehmen und dort einbringen; auch wenn mit der Düngeverordnung im Bund oder dem infolge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ ausgearbeiteten Eckpunktepapier der Landesregierung bereits Weichen gestellt wurden, die bei den Landwirten auf Kritik stoßen. ​Dennoch: „Gute Politik muss sich an der Praxis messen lassen“, so Grübel. „Allein deshalb müssen wir auf unsere Landwirte hören.“ Mit mehreren Landwirten in der Unionsfraktion hätte die Bauernschaft dabei eine starke Stimme im Bundestag, auch im zuständigen Agrarausschuss. Grübel: „Auch wir werden – allein schon aufgrund von EU-Bestimmungen – nicht jeden Wunsch aus der Landwirtschaft erfüllen können; aber wir werden – anders als andere Parteien – auch nicht jede Gängelung mitmachen!“​

„Um die Kluft zwischen Bürgern und Bauern zu verringern, müssen wir bei der Bildung ansetzen“, findet Deuschle. „Wer von Klein auf einen echten Bezug zu unseren Lebensmitteln entwickelt, kann eher diejenigen verstehen, die sie erzeugen.“ Deshalb sei es gut, wenn das Agrarministerium im Land Ernährungsaufklärung und Gartenarbeit an den Schulen fördere. „Denn erst wer ein grundlegendes Bewusstsein für die Lebensmittelerzeugung hat, wird mehr zu Produkten mit fairem Preis greifen und Landwirte weniger belehren.“

Insgesamt glaubt CDU-Kreischef Thaddäus Kunzmann, dass die Unterstützung für die Landwirte in der Gesellschaft größer ist als gemeinhin angenommen. „Wir haben bei Stuttgart 21 gesehen, dass bei der Volksabstimmung das Ergebnis anders ausgesehen hat als es die öffentliche Wahrnehmung zuvor hätte vermuten lassen. Entscheidend ist deshalb die Diskussion, bei der die Landwirte die CDU grundsätzlich an ihrer Seite wissen. Hier müssen alle Argumente auf den Tisch!“​

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